Die SL-Sportwagen von Mercedes-Benz

1954 Die Geburt des SL-Mythos

Diese fand in New York statt. Dort präsentierte die Stuttgarter Automobilmarke im Februar 1954 auf der „International Motor Sports Show“ den Roadster 190 SL und das Flügeltürer-Coupé 300 SL.

Der 190 SL begründete die Roadster-Tradition der Stuttgarter Automobilmarke, denn er stellte sich den New Yorkern bereits als Open-Air-Sportwagen mit Faltverdeck vor. Der 300 SL verwandelte sich erst 1957 vom Flügeltüren-Coupé zum Roadster.

Dennoch gilt der 300 SL als Urahn einer langen Reihe faszinierender Mercedes-Sportwagen. Denn es waren seine Vorläufer, die den amerikanischen Auto-Importeur Max Hoffman durch zahlreiche Rennsporterfolge auf sich aufmerksam gemacht hatten. Er war von diesen Automobilen so begeistert, dass er den Vorstand des Stuttgarter Automobilunternehmens bat, von dem Supersportler eine straßentaugliche Version zu entwickeln. So begann der unvergleichliche Siegeszug des 300 SL, der neben seinen markanten Flügeltüren noch mit weiteren ungewöhnlichen technischen Details aufwartete: Zum Beispiel mit dem filigranen, aber hochstabilen Gitterrohrrahmen und der Benzin-Direkteinspritzung für hohe Leistungsausbeute. Mit ihrer Hilfe brachte es der Mercedes-Sportwagen auf 215 PS aus sechs Zylindern, was für damalige Verhältnisse ein sensationeller Wert war. Die gleiche Technik zeichnete den 300 SL auch aus, als er schließlich in einer offenen Version produziert wurde.

1963: Neuer Mercedes-Roadster mit Pagoden-Dach

Im Jahre 1963, als Mercedes-Benz die Produktion des 300 SL und des 190 SL einstellte, erschien ein neues SL-Modell, das vor allem durch sein ungewöhnliches Äußeres für Furore sorgte. Dominierendes Designmerkmal war neben frischen, neuen Linien ein abnehmbares Coupé-Dach, das sich zur Fahrzeugmitte absenkte. Das war einzigartig und erinnerte an japanische Tempelarchitektur. Der Volksmund taufte diesen SL deshalb auf den Namen „Pagode“. Doch seiner Entwicklung lagen weniger stilistische denn sicherheitstechnische Überlegungen zugrunde. Mercedes-Ingenieur Béla Barényi, der Pionier der modernen Pkw-Sicherheitstechnik, hatte sich diese ungewöhnliche Dachform schon 1956 patentieren lassen, weil sie extrem hoch belastbar war und den Insassen bei einem Unfall ein Maximum an Sicherheit bot. Ebenso beeindruckend war die große Kopffreiheit, die der Zweisitzer mit aufgesetztem Pagoden-Dach bot.

Gleichzeitig hatte sich der SL in einen kultivierten Sportwagen verwandelt, der seine Vorzüge vor allem als Reisewagen ausspielte. Zudem überraschte Mercedes-Benz auch bei der zweiten SL-Generation mit wegweisenden technischen High-lights. Dazu zählten unter anderem eine Sicherheitskarosserie und ein mühelos zu bedienendes Verdeck. Unter der Motorhaube arbeitete zunächst ein 150 PS starker 2,3-Liter-Sechszylinder, der den SL 230 auf 200 km/h Höchstgeschwindigkeit beschleunigte.

1971: Der SL-Roadster erstmals auch als Achtzylinder

Im Jahre 1971 folgte auf die „Pagode“ ein neuer SL-Sportwagen, der als der am längsten produzierte Mercedes-Personenwagen gilt. 18 Jahre lang blieb er im Programm – bis 1989. Die Linien dieses Klassikers waren von vornherein auf lange Lebensdauer ausgelegt und verloren niemals ihren Reiz so lange dieses Auto vom Band lief. Noch heute wirkt es mit seinen umfangreichen Wölbungen im Zusammenspiel mit den klaren Linien, die auf stilistische Eskapaden verzichteten, wie ein automobiles Denkmal.

Stark, selbstbewusst, repräsentativ und maskulin zeigte sich die dritte SL-Generation von allen Seiten als wohlproportionierter Roadster, dem seine Väter ein nicht minder gelungenes, abnehmbares Coupé-Dach mit auf den Weg gaben. Neben Eleganz und Qualität strahlte die Karosserie auch Sicherheit aus, denn das Crashverhalten des offenen Zweisitzers war der damaligen Zeit weit voraus. Für kraftvolle Beschleunigung sorgte – erstmals in einem SL – auf Wunsch auch ein Achtzylinder. Seine 200 PS bei 5800/min verhalfen dem Roadster zu einem Zehn-Sekunden-Spurt von null auf 100 km/h. Und auch das Maximaltempo lag beim „Neuen“, der 212 km/h erreichte, um zwölf Kilometer höher als beim Vorgängermodell.

1989: Design und Sicherheit auf höchstem Niveau

Auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf feierte im Frühjahr 1989 das Nachfolgermodell Weltpremiere, das neben höchster Design-Qualität und vorbildlichem Open-Air-Fahrspaß vor allem in einer Disziplin neue Maßstäbe setzte: bei der Sicherheit. Der SL der vierten Generation hob den Insassenschutz auf das hohe Niveau einer Mercedes-Limousine. Zu seinem serienmäßigen Sicherheitspaket gehörte zum Beispiel ein sensorgesteuerter Überrollbügel, der bei einem Crash oder einer extremen Fahrsituation automatisch binnen 0,3 Sekunden durch Federkraft und Hydraulik ausfuhr. Die A-Säule wurde innen durch ein Rohr verstärkt und ergänzte die Schutzwirkung des einzigartigen automatischen Bügels sinnvoll.

Als weltweit erstes Serienautomobil erhielt die SL-Klasse des Jahres 1989 serienmäßig einen aufwändig konstruierten Integralsitz, ausgerüstet mit integriertem Dreipunktgurt. Der Rahmen dieses Sitzes wurde so dimensioniert, dass er beim seitlichen Aufprall Energie absorbiert. Rund 20 patentierte Detaillösungen stecken allein in diesem Integralsitz. Ab 1992 erschien mit dem SL 600 auch erstmals ein V12-Motor im Mercedes-Roadster.

2001: Fünfte SL-Generation als Technologieführer
Technisch und stilistisch noch anspruchsvoller präsentierte sich die neue SL-Klasse, die 2001 ihre Weltpremiere feierte. Mit einem ganzheitlichen Konzept avancierte die SL-Klasse auf dem Gebiet der Fahrzeugsicherheit zum Vorbild einer neuen Sportwagen-Generation. Es berücksichtigt alle Aspekte der Fahrzeugsicherheit – von der Unfallvermeidung mittels elektronischer Fahrdynamiksys-teme wie ABC, Bremsassistent oder ESP® über die Struktursicherheit der Karosserie bis zur schnellstmöglichen Rettung der Insassen nach einem Unfall. Den Insassenschutz perfektionieren neben der hochfesten Karosseriestruktur unter anderem zweistufige Airbags für Fahrer und Beifahrer, Head-/Thorax-Bags in den Türen, Integralsitze, Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer und der sensorgesteuerte Überrollbügel.

Eine Besonderheit ist auch das Variodach, das die SL-Klasse zu einem kompromisslosen Erlebnis-Auto macht. Damit bietet sie sowohl das Fahrvergnügen eines offenen Roadsters als auch den hohen Komfort eines Mercedes-Coupés.

Die Linienführung des Mercedes-Sportwagens symbolisiert diese Technologieführerschaft und weckt gleichzeitig Sympathie, Freude und Faszination fürs offene Autofahren. Dezent, aber dennoch wirkungsvoll, haben die Designer Verbindungen zum Urvater dieser Modellreihe aus dem Jahre 1954 hergestellt und schreiben auf diese Weise die traditionsreiche SL-Geschichte fort. Stilvoll harmonieren typische SL-Merkmale mit neuen Elementen aus der aktuellen Mercedes-Formensprache, die dem Roadster den Weg in die Zukunft weisen.

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